Der Rüttenscheider Peter Keup ist bekannt dafür, sich mit seiner DDR-Geschichte intensiv auseinanderzusetzen . Der ehemalige Stasi-Häftling hält auf der ganzen Welt Vorträge über die Gräueltaten des SED-Regimes, leistet vor allem in Schulen Aufklärungsarbeit. Nun stellte er sich einem besonderen Ziel und reiste nach Nordkorea - in eine der letzten kommunistischen Diktaturen der Welt.

Zuvor war Keup zwei Monate auf Weltreise - hielt Vorträge in Argentinien und Uruguay, sprach auf Einladung des Goethe-Instituts zum Jahrestag des Mauerfalls schließlich auch im südkoreanischen Seoul. "Im Gegensatz zur DDR und zu Westdeutschland gibt es keinerlei Kontakt zwischen den Menschen des geteilten Landes, Familien wurden dauerhaft auseinander gerissen", sagt er. Einen entsprechend nachhaltigen Eindruck hinterließ seine nur dreitägige Reise nach Nordkorea: "Natürlich hat das viel aufgewühlt - sich nicht frei äußern, ja nicht einmal frei bewegen zu können, ist ein grausames Gefühl." Nach drei Tagen in Peking geht am 17. November sein Flug nach Pjöngjang.

Die Dunkelheit setzte im zu

Zufällig sitzt auch die nordkoreanische Damen-Fußballnationalmannschaft an Bord, allesamt mit Parteiabzeichen auf ihren Blazern. "Sie haben den Asia-Cup gewonnen, hätten eigentlich bei ihrer Ankunft gefeiert werden müssen. Stattdessen aber hat ihnen unfreundliches Flughafen-Personal die Pässe abgenommen", erzählt Peter Keup, der für sein Visum eigens einen Antrag in der nordkoreanischen Botschaft in Berlin gestellt hatte. Gerade einmal 30 deutsche Touristen zähle Nordkorea pro Jahr, hat Keup gehört. Angesichts der massiven Einschränkungen ist das nicht verwunderlich.

"Am Flughafen wurden wir direkt von unseren Aufpassern in Empfang genommen, die uns die nächsten drei Tage auf Schritt und Tritt verfolgen sollten, sogar in unserem Hotel schliefen", sagt Keup, der bei der Reise von einem Freund begleitet wurde: "Zum Glück - ohne den Austausch mit ihm wäre es wohl noch beklemmender gewesen."

Kein Kontakt zu Nordkoreanern - es sei denn, sie sind perfekt inszenierter Teil des Reiseprogramms - kein Zugang zum Internet, und vor allem: kein böses Wort über den Führer, der in Nordkorea tatsächlich so genannt wird, Kim Jong-un. Das von Propaganda geprägte Reiseprogramm wurde von den Aufpassern bestimmt. Was Peter Keup außerdem zusetzte, war die Dunkelheit: "Ständig ist der Strom ausgefallen, es gibt auch keine Straßenbeleuchtung - und das in einer Millionenstadt wie Pjöngjang", erzählt Keup.

Bericht in Wort und Bild ist geplant

Dennoch bereue er die Reise nicht: "Sie hat mich ein Stück weit in die Vergangenheit versetzt und mich einmal mehr in meiner Aufarbeitung bestärkt." Im kommenden Jahr möchte Keup in Worten und Bildern ausführlich über das Erlebte berichten, "das muss erst noch etwas sacken", sagt er.

Zum 25. Jahrestag des Stasi-Unterlagen-Gesetzes und zum Tag der Menschenrechte liest Peter Keup "Vernichten oder Offenlegen" am Freitag, 11. Dezember, um 21.15 Uhr im F19 (Friederikenstraße 19) aus Original-Stasi-Dokumenten. Eintritt: fünf Euro. Weitere Informationen auch hier.