Es beginnt manchmal mit Gegenständen, die verschwinden und an den unmöglichsten Orten wieder auftauchen: Wie der Haustürschlüssel, der im Kühlschrank liegt. Oder Menschen verlieren ihre zeitliche Orientierung, so will Großmutter mitten in der Nacht plötzlich einkaufen. Demenz zeigt sich in vielen Facetten und stellt Betroffene, aber vor allem auch Angehörige vor ein Problem. Was tun, wenn der Partner, die Eltern oder Großeltern nicht mehr allein lebe können? Im "Domizil Wohnfühlen" an der Emil-Schniewind-Straße leben demenzkranke Menschen selbstständig ihren Alltag - in speziellen, betreuten Wohngemeinschaften.

Bei einem "Tag der offenen Tür" hatten die Bewohner jetzt alle Interessierten eingeladen, einmal einen Blick in ihre WG zu werfen. Astrid Stankiewicz, Leiterin der Demenz-WG, erläutert das grundlegende Prinzip: "Die Personen sollen ihren Alltag so weiter leben, wie zu Hause auch." In den zwei WGs mit jeweils zwei Wohngruppen wohnen immer sechs Personen, jeder hat ein eigenes Zimmer mit Badezimmer.

So viel wie möglich selbst erledigen

Küche, Wohnzimmer und Aufenthaltsraum werden mit den Mitbewohnern geteilt, die eigenen Schlafzimmer können die Angehörigen individuell einrichten, so dass ein gemütlicher Rückzugsort wie im eigenen Hause entsteht. Auch die dazu gehörigen Badezimmer sind entsprechend groß und altersgerecht, selbstgemalte Bilder geben dem Gemeinschaftsraum eine gemütliche Atmosphäre. Was den Alltag in der WG betrifft, lautet das Motto: So viel wie möglich selbst machen.

So darf und sollte bei der Vorbereitung der Mahlzeiten jeder helfen soweit er kann: Der Eine schnibbelt lieber Kartoffeln, der andere deckt den Tisch. Es wird aber auch zusammen Wäsche gewaschen, gebügelt und in den Schrank gefaltet. "Der große Vorteil ist, dass sich die Bewohner untereinander helfen und wie eine kleine Familie sind", sagt Geschäftsführerin Katja Donnay. Es gibt täglich Frühstück, Mittagessen, Kaffee und Kuchen und Abendessen. Und wer erst spät ins Bett geht, kann sich von 20 bis 21 Uhr im Nachtcafé vergnügen.

Für jeden Tag stehen kleine Angebote auf dem Programm, etwa Waffelbacken, manchmal geht's auch zusammen vor die Tür: "Ausflüge, wie ein Eis essen gehen, können wir nur selten machen. Die Demenzkranken brauchen einen festen Tagesrhythmus und eine bekannte Umgebung", erklärt Erika May von der Pflegedienstleistung. Doch sind die Aktionen innerhalb der WGs nicht minder spannend, wie ein Kosmetik-Nachmittag oder die lustigen Memory-Abende.

Seit Bestehen der WG im November 2010 habe man durchgehend positive Erfahrungen mit dieser Lebensform gemacht, erzählt Stefanie Schlimme, im Domizil zuständig für den Bereich Öffentlichkeitsarbeit: "Die Demenzkranken fühlen sich schon nach wenigen Tagen sehr wohl in der Wohngemeinschaft und führen ihr ganz alltägliches Leben dort weiter."